Geschichte


1869 ließ Wilhelm Eduard Blohm das Herrenhaus auf dem Gut in Viecheln durch den berühmten Wismarer Architekten Heinrich Thormann erbauen.

Blick vom Gutspark auf das anliegende Feld

Geschichte des Hauses

Erstmalig wurde das Gut 1627 durch den Besitzer Otto von Moltke geführt. Die Moltkes gehörten zum führenden Uradel von Mecklenburg-Vorpommern und besaßen Güter um die Stadt Rostock. Unter anderem gehörte Ihnen Viecheln als Lehnsgut. 

Die folgenden Besitzer waren von Hennecke, Regierungsrat Ernst H.F. von Bülow und Friedrich Karl Ferdinand von Schuckmann.

Wilhelm Eduard Blohm erwarb das Gut 1865 und ließ das Herrenhaus um 1869 durch den bekannten Wismarer Architekten Thormann im englischen Tudorstil errichten. Zwei Jahre später lies er den Wintergarten anbauen, der damals wie heute das Schmuckstück des Hauses ist. Zwar existiert der Park mit den Überresten der alten Burgruine (ca. 13 Jhd.) schon seit dem 17 Jahrhundert jedoch ließ ihn Blohm im Stil des englischen Landschaftsgartens neu anlegen. So besitzt der Park heute 250 Jahre alte Bäume, wie die große Blutbuche, aber auch seltene Gehölze, weshalb auch der Park unter Denkmalschutz steht. 

Im Jahr 1945 wurde die Familie Blohm vertrieben und enteignet, das Inventar des Herrenhauses fand bei Plünderern Gefallen. Nach dem 2. Weltkrieg bewohnten zunächst Flüchtlinge das Haus, später waren ein Kindergarten, eine Gaststätte sowie Büroräume hier untergebracht.

Das denkmalgeschützte Herrenhaus befand sich nach 1990 viele Jahre im Besitz der Gemeinde. Diese ließ es ab 1995  sanieren. Neben einer Gaststätte befanden sich im Inneren des Gebäudes Gemeinde- und Sitzungsräume.

Heute haben sich die Eheleute Kevin und Till Kleine-Möller der Aufgabe angenommen, dem Herrenhaus seinen ursprünglichen Charme zurück zugeben und es wieder mit neuem Leben zu erfüllen, dabei stehen die Kunst und Kultur im Mittelpunkt Ihrer Zielstellung. 

Die Familie Blohm 


Georg Blohm (oder auch Jürgen Blohm, 1733-1798) stammte aus einer seit 1619 in Lübeck nachgewiesenen Familie. Sein Vater war der Brauer Christian Levin Blohm und hatte für die Familie den Aufstieg vom Handwerker zum Fernhandelskaufmann vollzogen. Sein Sohn wurde von ihm in die Geschäfte eingeführt und auf längere Auslandsreisen nach Schweden, Livland, Kurland und Russland geschickt. Mit 27 Jahren heiratete Georg Blohm in die Kaufmannsfamilie Kröger ein und übernahm gemeinsam mit der Witwe das Handelsgeschäft seines verstorbenen Schwiegervaters. Als Geschäftssitz erwarb er das Haus Mengstraße 64 in Lübeck. Er wurde im Jahr 1773 in den Rat der Stadt gewählt und 1792 von diesem zum Bürgermeister bestimmt.

Ihm folgten sein Sohn Georg (1763-1819) und sein Enkel Georg (1801-1878). Letzterer Georg war der Vater des Erbauers vom Herrenhaus Viecheln. Georg Blohm (1801-1878) sah für seine eigene Existenz in der Handelsstadt an der Ostsee keine realistischen Möglichkeiten und wanderte im Jahr 1825 nach Saint Thomas, eine damals noch dänische Insel der Jungferninseln in der Karibik, aus.
Dort ehelichte er die Tochter des örtlichen dänischen Friedensrichters Ann Margret Lind († 1878). 1829 zogen beide in das gerade von Spanien unabhängig gewordenen Venezuela um. Blohm gründete dort in La Guaira ein bald äußerst erfolgreiches und später über Generationen als Familienunternehmen einflussreiches Handelsgeschäft, eines der größten Venezuelas. Der erarbeitete Erfolg räumte ihm die Möglichkeit ein, bereits im Alter von nur 42 Jahren in seine Heimatstadt Lübeck zurückzukehren, um so einen ordnungsgemäßen Schulbesuch für seine vier Söhne  sicherzustellen.
Die Söhne Georg Heinrich (1835–1909) und Ludwig Friedrich (1837–1911) führten die begonnenen Handelsaktivitäten als Mitbegründer der Firma „G.H.und L.F.Blohm & Co.“ in Venezuela und Hamburg, die seit 1871 den Firmennamen „Blohm & Co.“ trug, fort. Der jüngste Sohn Hermann Blohm (1848–1930) schlug als Mitbegründer des Industrieunternehmens Blohm & Voss reputierlich aus der Art. Sein Vater sah diesen Plan zwar skeptisch, förderte jedoch die Werftgründung mit einem Darlehen von 500.000 Mark.
Wilhelm Eduard (1840–1915), der dritte Sohn wurde 1864 Gutsherr auf Viecheln.

"Von uns vier Brüdern war George der Äteste, ich der Jüngste (v. Mutter ihr Benjamin benannt), Federico der Klügste, und Wilhelm beanspruchte dann, der Schönste zu sein! –" (Erzählung Hermann Blohms vom 23. November 1924 (Seite 1))

Heinrich Gustav Thormann

Architekt und Baumeister

geboren am 18.04.1816 in Wismar, gestorben am 15.02.1890 in Wismar.

Nach Abschluss seines Architekturstudiums in Berlin kehrte H. Thormann 1839 nach Wismar zurück. 1840 bis 1842 wurde nach seinen Plänen das erste Wismarer Theater in der Mecklenburger Straße erbaut. Er schuf zahlreiche Herrenhäuser und erlangte damit ein hohes Ansehen in ganz Mecklenburg. Die von ihm durchgeführten Restaurierungen des Kommandantenhauses und der Wasserkunst prägen bis heute das Erscheinungsbild Am Markt. In der Bauhofstraße erbaute er 1864 eine Villa, die er bis zu seinem Tod bewohnte.

Die außergewöhnliche Schaffenskraft lag in der Familie: Sein Bruder David, ein Wismarer Kaufmann, begründete die Thormannsche Kunstsammlung, die seit 1891 zum Bestand des Schweriner Museums gehört.

Sein Bruder Johann Christian war einer der wichtigsten Schiffsreeder Wismars, der 1862 den heute denkmalgeschützten „Thormann-Speicher“ am Alten Hafen bauen ließ.